Wenn Verantwortung früher kommt als der Plan.
Ungeplante Nachfolge beginnt oft mit einem Irrtum
Ich war gegangen. Nicht im Konflikt, sondern bewusst.
Ich wollte nicht nach Frankfurt zurück. Ich wollte ein anderes Leben, etwas Eigenes, etwas Kreativeres.
Ich kannte das Unternehmen meines Vaters trotzdem gut. Ich hatte in allen Semesterferien dort gearbeitet. Ich verstand Abläufe, Menschen, Verantwortung. Und ich war die Einzige aus der Familie, die das konnte.
Als mein Vater plötzlich ausfiel, wurde mir von außen Verantwortung übertragen. Ich nahm sie an – gedanklich als Brücke, als Stütze für meine Eltern, als Übergang. Ämter, Erwartungen, Zuständigkeiten kamen dazu. Von innen sah man mich in der Führung. Ich wollte überbrücken. Nur kurz. Bis er zurückkommt. Diese Rückkehr hat es nie gegeben.
Nicht nach Monaten. Nicht nach Jahren. Zwanzig Jahre war ich eine Brücke ohne zweites Ufer.
So führte ich ein Unternehmen, ohne es je übernehmen zu wollen. Dennoch wurde es mir vertraut, bevor ich mich entschieden hatte. Es wuchs mir ans Herz, noch bevor meine eigenen Kinder da waren. Und dann kamen sie. Fünf Kinder in sieben Jahren. Sie pendelten mit mir in die 560 Kilometer entfernte Firma. Damals gab es noch kein Teams, Zoom und andere digitalen Räume. Kein Dazwischen. Drei Tage mit Kleinkindern in Frankfurt, zudem für meine Eltern sorgen und vier Tage in Berlin auf Distanz Führen per Telefon und Mails.
Von außen sah das nach Nachfolge aus.
Von innen war es ein Leben, das sich still verschoben hatte.
Ungeplante Nachfolge entsteht nicht aus Ehrgeiz.
Sie entsteht aus Bindung. Aus Kompetenz. Aus dem Moment, in dem niemand sonst da ist.
Die folgenden Posts in dieser Serie schreibe ich, weil darüber zu wenig gesprochen wird.
Nicht aus Nostalgie. Sondern weil ungeplante Nachfolge heute mehr Menschen betrifft, als wir wahrhaben wollen.
Und weil sie andere Antworten braucht als klassische Karrierelogiken.
Meine Intension dieser Postserie: Persönliche Erfahrungen in Verbindung mit professioneller Organisations- und Führungsarbeit. Was ich in die Welt trage, hat gelebte Erfahrung. Nachfolge zu sein, ist weit mehr als das, was wir sehen wollen.

